"Um an jeder Stelle der Karte einen Kurswinkel bestimmen zu können, brauchen wir senkrechte Linien, die die Nordrichtung angeben." (Linke: Orientierung mit Karte, Kompaß, GPS) ...was bisher geschah:
Was ich sonst noch war oder bin, kann folgendem kleinen Abriss entnommen werden, der selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Landbriefträger (Sommer 1990)
Gnochnbuddsr
Während meines Zivildienstes 94/95 zogen eines Tages die Archäologen ins Städtchen. Recht bald wurden sie bei meiner Dienststelle vorstellig und fragten meinen Chef, ob sie sich mal den Zivi (also mich) ausborgen dürften, da sie auf einer eiligen Rettungsgrabung einige recht lästige Erdbewegungen zu erledigen hatten. Also kam ich auf die Grabung. Es war die mit Abstand beste und lehrreichste Zeit meines Zivildienstes. Neben besagten Erdbewegungen wurde ich u.a. auch mit der Beschaffung von Erfrischungsgetränken (G.m.B.h. = Geh mal Bier holen!) und mit dem Abziehen von Bodenprofilen und dem Waschen der Funde betraut. Die Bauarbeiter, die wegen unserer Grabungen und Funde zum sofortigen Baustopp verdonnert waren, nannten uns wenig einfühlsam Gnochnbuddsr (Knochenputzer). Besonders erheiternd und irgendwie nie abgegriffen war der running gag, mit dem sich unsere Grabungsleiter täglich 300 Mal fragten, ob das, was wir ausgruben, "von früher" oder sogar "von ganz früher" war. Offiziell, auch gegenüber den vielen neugierigen Passanten auf der anderen Seite des Bauzaunes, gab es nur diese beiden Datierungen: "von früher" und "von ganz früher". Schön, wenn man als Archäologe (und nicht nur als solcher) ab und zu eine gesunde Distanz zu seinem Forschungsgebiet einnehmen kann. Bäcker
Transportarbeiter, Schlepperfahrer, Gabelstaplerfahrer
Im Sommer 1998 war ich 4 Monate bei der VW Sachsen GmbH im Werk Mosel beschäftigt. Zu meinen Aufgaben gehörte zunächst der innerbetriebliche Transport von Karosserien vermittels Diesel-/E-Schleppers. Nach dem Besuch eines dreitägigen Lehrgangs wurde ich staatlich geprüfter "Hochstapler", bekam einen knallgelben 2,5-Tonner und wurde samt diesem wieder in die Produktion geworfen. Fortan stapelte ich bei Tage und bei Nacht alles, was nicht niet- und nagelfest und ein paar Kilo leichter als mein Stapler war. Hauptbetätigungsfelder waren der Rohbau (palettenweise Beschickung des Passat-Montagebandes mit Karosserieteilen) sowie die Eisenbahnladerampe (Bereitstellung von Karosserien und Abnahme leerer Transportrahmen).
Recht bald gewöhnte ich mich auch an den Gebrauch gewisser Spezialmaßeinheiten, die mir von meinen Kollegen beigebracht wurden: solange beim Rangieren immer noch ein Blatt Papier zwischen Stapleraußenkante und Hindernis (i.d.R. Mauern, Menschen, Maschinen) passt, besteht absolut kein Grund zur Aufregung. Chorsänger
Sopran und Bass. Ungefähr in dieser Reihenfolge, dazwischen lag der Stimmbruch.
HobbyschrauberNach langer, sehr langer Schreibtischarbeit kann es ungemein entspannend sein, unter einem möglichst alten KFZ zu liegen und daran herumzuschrauben. Momentan nicht aktiv.
Großvaters erster Bulldog. Wartburgfahrer a.D.Von meinem Sold kaufte ich mir einen gebrauchten 1.3er IFA Wartburg. Windschnittig wie eine Schrankwand, 58 Pferde, Vmax irgendwo bei 132,7 km/h.
Ich habe dieses Auto wirklich geliebt. Obwohl ich damit fast zum Teufel gegangen wäre, als mir einmal auf regennasser Piste der linke Hinterreifen platzte und ich mit der sofort ausbrechenden Karre wild schlingernd auf die Gegenfahrbahn und dann weiter vollrohr in Richtung Zwickauer Mulde schoss, die an dieser Stelle unmittelbar neben der Straße dahinrauschte. Das hätte ganz böse ins Auge gehen können, wenn Gegenverkehr gekommen oder keine Leitplanke am Ufer gewesen wäre. So ging es damit ab, dass ich in einem sehr spitzen Winkel aufschlug, des Wartburgs Frontpartie umschmiedete und seine Backbordflanke mit einem martialischen metallischen Kreischen zerspante.
Eine besonders kuriose Situation ergab sich auf der 1995er Fahrt, als ich mit meiner damaligen Freundin ganz Skandinavien bereiste und wir eines schönen Sommertages das Nordkap erreichten - welches bekanntlich die Nordspitze einer vorgelagerten Insel ist. Auf der Fähre hinüber war auch ein sächsischer Fernreisebus mit Touristen aus der Zwickauer Gegend. Als sie des Wartburgs angesichtig wurden, ließen sie sofort ab von videodokumentarischer Landschaftserfassung und Ei gugge ma, ä Ränndier!-Konversation (hdt. Schau mal, ein Rentier!).
FlugzeugnarrKann mich stundenlang vertiefen in die Konstruktionsdetails und techn. Daten von Fluggeräten. Motorengeräusche sind Musik.
Klicken Sie auf das Kurbelwellenlager, um die Betriebsgeräusche einer Spitfire im Tiefflug zu hören (00:13, mp3, 25,5 KB). Das oben dargestellte Triebwerk ist übrigens ein BMW-Flugmotor. BüchernarrIch würde mich - falls zur Wahl gezwungen - eher dafür entscheiden, nur noch zwei Mal täglich zu essen, als mich von meinen Büchern zu trennen.
(Erich Maria Remarque: Herbstfahrt eines Phantasten [Auszug], Thüringer Allgemeine Zeitung vom 17. 10. 1924)
(Erich Maria Remarque: The Five Years Diary [Auszug], um 1965)
"It all began with Adam. He was the first man to tell a joke--or a lie. How lucky Adam was. He knew when he said a good thing, nobody had said it before. (Mark Twain: Notebook, 1867) Fjällwanderer
Hobby-Ethnologe
Die sumpfigen Schilfgürtel der südlichen Ostseeküsten bieten dem passionierten Ethnologen ein faszinierendes Forschungsgebiet. In einer nun schon mehrjährigen Feldstudie widme ich mich den Norddeutschen, einer Varietät der europiden Subspezies mit beachtlichen kulturellen Errungenschaften.
Auch dem Auge des topographisch ungeschulten Betrachters kann hier unmöglich die Nordrichtung entgehen. "Der Mensch hat neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem zu essen und zu trinken zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören." (Kurt Tucholsky)
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