"[D]er Eigenname eines Menschen ist nicht etwa wie ein Mantel, der bloß um ihn her hängt und an dem man allenfalls noch zupfen und zerren kann, sondern ein vollkommen passendes Kleid, ja wie die Haut selbst ihm über und über angewachsen, an der man nicht schaben und schinden darf, ohne ihn selbst zu verletzen."
(Goethe: Dichtung und Wahrheit, 2. Teil, 10. Buch)
Natürlich, ein Goethe-Zitat.
Ich bin ansonsten kein großer Goethe-Fan, aber dieses Zitat bietet einen geeigneten Einstieg ins Thema. Hinter der pathetischen Form steckt die simple Aussage, dass der Name aufs Engste verbunden ist mit dem Namensträger - obschon der normalsterbliche Namensträger auf seinen (Vor-)Namen in der Regel keinen Einfluss hat. Wäre schon eigenartig, wenn sich jemand behördlich umbenennen ließe in beispielsweise Georg Müller. Nur was einen Namen hat, existiert. Natürlich nicht im streng naturwissenschaftlichen Sinne, aber für unsere Wahrnehmung.
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Mit unserem Namen, ob er uns nun gefällt oder nicht, gehen wir durchs Leben. Unter diesem Namen werden wir angesprochen und angeschrieben, er ist die Schnittstelle zwischen uns und unserer Umwelt, durch ihn werden wir für andere identifizierbar...und identifizieren uns selbst damit. Ein Name ist schon deshalb von seiner technischen Funktion her nicht "Schall und Rauch", wie eine Redensart bisweilen glauben machen will.
Da der Name einem wie eine zweite Haut angewachsen ist, denkt man auch nur herzlich selten an diese Selbstverständlichkeit. Erst wenn unser Name verwechselt oder zu einem wenig geliebten Spitznamen verhunzt wird, reagieren wir. Nun ja, Spitznamen sind wie das Wetter, man kann nichts daran ändern und tut wohl daran, sich darein zu finden. Und Verwechslungen? Ich muss da immer an meine liebe Großmutter väterlicherseits denken, die mich oft mit dem Namen meines Vetters/ihres Enkels Gregor anredete. Und obwohl völlig klar war, dass sie mich meinte und keine Personenverwechslung bestand, musste ich darauf hinweisen, dass ich Georg heiße, nicht Gregor. Dazu bedarf es nicht einmal eines Goethe-Zitates, das ist einfach so!
Der Vorname Georg...
...erschien mir in Kindertagen als der Inbegriff des Unmodernen und Verstaubten. Niemand hieß so! Damals ein schwerer Makel, heute...naja...bei dem Nachnamen eher ein Glücksumstand.
Die Aussprache erschien mir lange Zeit eigenartig gestelzt und geschraubt. Im Nachhinein ist die Sache zumindest in phonetischer Hinsicht klar, denn es gibt im Deutschen nur sehr wenige Namen, in denen zwei Vokale so aufeinanderfolgen, dass sie keinen Diphtong (Gleitlaut) bilden, sondern getrennt voneinander artikuliert werden müssen. Genaugenommen gibt es zwei Möglichkeiten, den Namen Georg auszusprechen.
Erstens, indem man wie in The´ater oder wie in be´atmen zwischen den Vokalen eine Pause macht: Ge´org. (Diese winzig kurze Pause, auch Vokalneueinsatz bzw. Glottisschlag genannt, ist dafür verantwortlich, dass Deutsch von bspw. Schweden oder Engländern als sehr hart und rau empfunden wird. Ein schwedischer Freund sagte mir einmal, Deutsch klinge wie ein Gartenhäcksler.)
Zweitens, indem man wie in re-agieren zwischen den Vokalen keine Pause macht: Ge-org.
(Drittens, indem man Schorsch oder Dschordsch sagt und damit jegliche Vokalkombinationen vermeidet.) 8-)
Interessanterweise enthalten fast alle Kurzformen und Abwandlungen des Namens Georg bewusste (?) Umkehrungen der e-o-Vokalfolge hin zu o-e: Görg, Jörg (Jürg), Göran.
Dass Georg kein besonders häufiger Name ist, kann den folgenden Statistiken über die Vornamenvergabe entnommen werden.
männl. Vorn. in Ostdtl. 1960-80
männl. Vorn. in Ostdtl. 1982-90
männl. Vorn. in Westdtl. 1957-86
männl. Vorn. in Westdtl. 1988-2000
weibl. & männl. Vorn. in Ostdtl. 1991-2000
weibl. & männl. Vorn. in Gesamtdtl. 1997-2000
Müller ist dagegen ein recht häufiger Name. Genaugenommen der häufigste dt. Familienname überhaupt.
Müller-Verbreitungskarte (mit Varianten)
Familiennamensstatistik 1941-2000
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